Krankenkassen – oder besser „kranke Kassen“?
5. Juli 2009 von admin | kein Kommentar
In einer Zeit in der so manche Branchen um das nackte Überleben kämpfen, wie beispielsweise die Autoindustrie und die unverzichtbaren Zulieferungsbetriebe mit ihren zigtausenden Arbeitsplätzen, haben andere ganz andere Sorgen. Die gesetzlichen Krankenkassen wissen ganz offensichtlich nicht mehr wohin mit den eingenommenen Milliarden der Versicherten.
Mit dem Geld der anderen lässt sich leicht protzen. So könnte man es kurz auf den Punkt bringen. Aber das wäre zu einfach.
Den gesetzlichen Krankenkassen ging es schon vor der Einführung des Gesundheitsfonds so richtig gut. Aber nun ist es kaum noch auszuhalten. Die Geldquelle „Krankenversicherungsbeitrag“ ist nicht mehr zu stoppen.
Der Gesundheitsfonds wurde zum 1. Januar 2009 eingeführt und reguliert die Honorierung der Ärzte neu. Außerdem wurde die Arzneimittelverordnung völlig geändert. Alles natürlich nicht zu Gunsten der Versicherten versteht sich. Aber das Wesentliche dieses Gesundheitsfonds ist die Einziehung der Beitrags- und Steuergelder. Diese werden nun zentral eingenommen und an die Krankenkassen nach einem raffinierten Schlüssel verteilt. Warum es in Deutschland mehr als 200 gesetzliche Krankenkassen gibt, die alle aus diesem Füllhorn bedacht werden, ist dem Normalbürger nun wirklich nicht zu vermitteln.
Jede dieser Krankenkassen hat einen aufgeblähten und kostenintensiven Verwaltungsapparat, jede Krankenkasse hat einen Vorstandvorsitzenden, der mit einem Grund- Jahresgehalt von bis zu 300.000 Euro mehr als fürstlich entlohnt wird. Und trotzdem haben die gesetzlichen Krankenkassen, wie jetzt bekannt wurde, ein finanzielles Polster von fast fünf Milliarden Euro angesammelt. Durch Beitragserhöhungen, Leistungskürzungen oder gar durch Leistungsverweigerungen wurden alleine im letzten Jahr rund 1,5 Milliarden Euro angehäuft. Anstatt nun diese gigantische Summe an die Beitragszahler zurückzugeben und damit zumindest ein wenig dazu beizutragen, die Lohnnebenkosten zu senken, werden die Ausgaben für Marketing kräftig angehoben. So gab die Barmer Ersatzkasse beispielsweise in den ersten sechs Monaten diesen Jahres fast vier Millionen Euro für Werbung aus. Das ist eine Steigerung um über 80% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres! Da mochten auch die Allgemeinen Ortskrankenkassen nicht zurückstehen, diese pumpten neuneinhalb Millionen Euro in die Werbung. Die Aufzählungen könnte man endlos fortsetzen, da wäre die DAK oder die KKH-Allianz, die viertgrößte gesetzliche Krankenversicherung Deutschlands, sie steigerte ihre Werbungsausgaben um satte 700%.
Anstatt die Gelder für dümmliche TV-Spots oder teure ganzseitige Anzeigen in den Printmedien auszugeben, sollten die Kassen lieber mit besseren Leistungen, guten Service und günstigen Beiträgen glänzen. Nur so könnte ein gesunder Wettbewerb entstehen und die Kunden überzeugen. Schließlich will der Beitragszahler sein Geld nicht in Werbefirmen investieren, sondern er erwartet eine bundesweit gut funktionierende Gesundheitsversorgung. Wenn von Konkurrenz oder Wettbewerb gesprochen wird, sind es doch nur Phrasen der Funktionäre auf Vorstandsebene. Beeinflussen, manipulieren, verschleiern, tricksen und täuschen das funktioniert immer wenn es um die Selbstbereicherung dieser Kaderfunktionäre geht. Es geht schon lange nicht mehr um eine Leistungssteigerung im Sinne konstruktiv erzeugter Mehrwerte, es geht einfach und alleine um die Dumping – Preisspirale, die immer nach unten drückt, weiter zu entfachen. Diese Machtelite findet man im gesamten Spektrum unserer Gesellschaft, in den Parteien und Parlamenten wie auch in allen Vorstandsetagen der führenden Wirtschaftsunternehmen, also auch bei den Krankenkassen. Über Negativschlagzeilen brauchen sich die Kassen keine Sorgen zu machen, die ständigen Berichte in den TV – Magazinen, in denen über Leistungsverweigerung der Kassen berichtet wird, sprechen eine deutliche Sprache. Lebensnotwendige Therapien werden verweigert, gute Medikamente werden durch Billigpräparate ersetzt, die erhebliche Nebenwirkungen haben und langfristig die Kasse mit enormen Mehrkosten belasten. Von den physischen und psychischen Schäden des Patienten einmal ganz abgesehen.
So richtig für Ihre Interessen vorgesorgt haben die Kassen dennoch. Die Lobbyisten der Versicherungswirtschaft haben bei den unwissenden Politikern, allen voran die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, durchgesetzt dass, sollte eine Kasse nicht mit den zugeteilten Mitteln aus dem Gesundheitsfond auskommen, kann diese von ihren Mitgliedern einen zusätzlichen Betrag bis zu 8 Euro im Monat verlangen. Den geschröpften Mitgliedern wird aber ein außerordentliches Kündigungsrecht zugesprochen. Einfach genial diese Reglung, nur die Frage sei erlaubt, wo bleibt denn hier das Solidaritätsprinzip der Kassen untereinander? Oder anders, weshalb wird denn diese Lücke nicht aus dem Gesundheitsfond gedeckt? Aber nicht nur die Versicherungslobby lenkt und bestimmt bei den Politikern wo es langgeht, es ist ebenso auch die Pharma- oder auch die Ärztelobby. Wer ernsthaft glaubt, dass die Politik noch Einfluss auf die Gesetzgebung hat, der muss schon sehr blauäugig und naiv sein. Ob nun ein Horst Seehofer von der CSU oder eine Frau Ulla Schmidt von der SPD das Gesundheitsressort innehat, spielt letztlich keine Rolle, das Sagen haben andere. Selbst einer Frau Merkel wird von einer „Redenschreiberin“ vorgegeben was sie zu erzählen hat….. zu sagen hat sie eh nichts.
