Versicherungsberechnung online, Segen oder Fluch?
23. August 2009 von admin | kein Kommentar
Von einer Welt in der alles schnell und möglichst ohne viel Aufwand betrieben werden muss, hat auch die Versicherungsbranche ganz kräftig profitiert. Sie hat sich das Medium Internet zunutze gemacht und eine Vielzahl von Tarifrechnern im Angebot. Mit denen kann der Kunde seine Versicherungsberechnung online durchführen. Aber ist diese Art der Versicherungsberechnung auch sinnvoll? Und vor allem, wem nützt es denn wenn der Versicherungsnehmer alleine auf sich gestellt eine solche Versicherungsberechnung vornimmt? Nun könnte man sich die Antwort relativ einfach machen, denn in erster Linie profitiert natürlich die Assekuranz davon wenn der Kunde alle seine persönlichen Daten selbst eingeben muss um dann eine konkrete Versicherungsberechnung anstellen zu können. Denn bei vielen Gesellschaften ist der Vergleichsrechner so programmiert, dass nur mit der Ausfüllung der vorgegebenen Felder eine Versicherungsberechnung möglich ist. Diese Angaben werden dann zu der betreffenden Gesellschaft gesandt, von der dann wiederum das schriftliche Angebot per Post oder E-Mail den Kunden erreicht…
Aber so einfach ist es eben doch nicht. Auch der Kunde profitiert natürlich von der online Versicherungsberechnung. Er spart Zeit, er spart Porto er kann vergleichen und vor allem, er kann selbst in Ruhe und ohne jeglichen Druck überlegen, ob er diese oder jene Zusatzleistung wirklich benötigt. Als Beispiel wäre hier nur die Absicherung gegen Fahrraddiebstahl in der Hausrat Versicherung angemerkt, wenn ich kein Fahrrad habe, weshalb soll ich dann für dieses Risiko einen Beitrag zahlen? Viele Vermittler argumentieren damit, dass diese Leistung nun einmal in dem Gesamtpaket enthalten sei sozusagen als Gratiszugabe! Merke: Bei keiner Gesellschaft gibt es etwas gratis, es ist dann eine versteckte Prämie.
Insofern ist die Versicherungsberechnung online, für den Kunden doch ein Segen, er kann unnütze Leistungen bei der Versicherungsberechnung einfach ausklammern.
Nun kann man zu fast alle Versicherungsparten eine Versicherungsberechnung durchführen und auch ganz gut vergleichen, aber so einige Sparten sind doch sehr sensibel und bedürfen einer eingehenden Fachkenntnis und auch Beratung. Da hilft auch die beste, eigene Versicherungsberechnung nichts. Das trifft vor allem auf die Berufsunfähigkeitsversicherung zu. Wer hier meint, auf eine professionelle Hilfe verzichten zu können, der spielt schlicht und ergreifend Roulett. Die richtige Versicherungsberechnung fängt schon mit der Eingabe des Berufs an. Der selbständige Dachdeckermeister ist sicher auch kaufmännisch tätig, aber er turnt auch ständig in luftiger Höhe auf Dächern rum. Und hier zählt nun einmal das erhöhte Risiko und das kostet dann auch einen weit höheren Beitrag als für den, der nur kaufmännisch tätig ist. Wenn also hier bei der Versicherungsberechnung falsche Eingaben gemacht werden, dann kann dieses im Leistungsfall verehrende Folgen haben. Insofern sollte man in diesen, doch sehr beratungsintensiven Sparten, auf die Fachkompetenz und Hilfe eines versierten und unabhängigen Versicherungsmaklers zurückgreifen. Ähnliches gilt selbstverständlich auch für die Lebens- und Krankenversicherungen. Auch hier kann eine eigene Versicherungsberechnung zu ungewollten Fehlern und Missverständnissen führen, die dann im Leistungsfall für den Kunden sehr teuer werden können.
Ganz anders sieht es bei der Versicherungsberechnung in der Kraftfahrtzeug Versicherung aus.
Der Kunde überträgt die verlangten Daten aus seinem Kfz-Schein oder aus der Police der Vorversicherung und gibt diese zur Versicherungsberechnung online in seinen Rechner ein. Aufgrund dieser und weiterer vertragsrelevanten Angaben, wie z.B. jährliche Fahrleistung in Kilometer, oder Alter der übrigen Fahrzeugnutzer, fließen dann bei der Versicherungsberechnung ein und der Interessent bekommt einen umfassenden Überblick über die Beiträge.
Bei der Kfz-Versicherung macht die eigene Versicherungsberechnung auch insofern Sinn, weil sehr viele Kunden ihre Versicherung zum Jahresende kündigen und zu einem anderen, günstigeren Anbieter wechseln wollen. Da bei den meisten Versicherungsgesellschaften die Kündigung bis zum 30. November eingegangen sein muss steht dem Kunden nicht mehr sehr viel Zeit zur Verfügung um sich von neutraler Seite mehrere schriftliche Vergleichsangebote einzuholen. Hier kann der Kunden mit einer eigene Versicherungsberechnung bzw. Kalkulation durchaus den günstigsten Anbieter selbst herausfinden.
Abschließend und zusammenfassend kann man sagen, eine eigene Versicherungsberechnung und eine damit verbundener Online-Abschluss kann sinnvoll sein, wenn es um allgemeine Risiken wie Hausrat, Privathaftpflicht oder Kfz-Versicherungen geht. Aber bereits bei der Rechtsschutzversicherung sollte man es sich nicht so leicht machen, ebenso bei der Unfallversicherung.
Eine eigene Versicherungsberechnung birgt in sich keinerlei Risiko, wenn aber der Abschluss eines Vertrages online getätigt wird dann kann es in den sensiblen Bereichen, wie oben beschrieben, im Leistungsfall zu Komplikationen und zu herben finanziellen Einbussen kommen.
Hier gilt der Grundsatz: Versicherungsberechnung, ja, Online – Abschluss, nein.
